Schmerzmittel erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt

23. November 2011

Wer kennt das nicht? Man hat ziehende Kopfschmerzen und soll sich auf seine Arbeit konzentrieren – schnell ist da die Kopfschmerztablette zur Hand. Oder gegen die Gliederschmerzen bei einer leichten Erkältung. Nur schnell weg mit dem Schmerz und mit Tabletten geht es doch ganz einfach. Das der schnelle Griff zu Schmerzmitteln fatale Folgen haben kann und das Risiko einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu erleiden wesentlich erhöht, ist den meisten Menschen nicht bewusst. Über die Ergebnisse der Studie von Prof. Jüni, über den verantwortungsbewussten Umgang mit Schmerzmitteln und über die Alternativen zur Bekämpfung von Schmerzen schreibt diese Woche unser Gesundheitskolumnist, Heilpraktiker und Schmerztherapeut Horst Boss.

Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) ist die wichtigste Schweizer Institution zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung. Er fördert alle Disziplinen, von Philosophie über Biologie bis zu Nanowissenschaften und Medizin. Um die nötige Unabhängigkeit für die Förderung der Forschung sicherzustellen, wurde der SNF 1952 als privatrechtliche Stiftung gegründet und unterstützt im Auftrag des Bundes hauptsächlich die Grundlagenforschung.

Beim Studium des in 01/2011 erschienen SNF-Berichts wird schnell klar, dass Schmerzmittel nicht nur schmerzfrei machen, sondern oft auch zu Herzinfarkt und Schlaganfall führen. Zu diesem Ergebnis kommt Professor Peter Jüni, Uni Bern, mit seiner mehr als umfangreichen Meta-Analyse (31 klinische Studien an 116.429 Patienten). Die Berner Wissenschaftler geben mit ihrer Arbeit eine deutliche Warnung heraus: Es besteht ein bis zu vierfach erhöhtes Risiko für Infarkt und Tod.

Die meist verwendeten Schmerzmittel gehören zur Klasse der nicht-steroidalen Entzündungshemmer. Diese senken nebenbei Fieber, hemmen Entzündungen, haben aber auch unerwünschte Nebenwirkungen und Risiken – bei längerer Einnahme sowieso. Geforscht wurde mit Naproxen, Ibuprofen, Diclofenac, Celecoxib, Etoricoxib, Rofecoxib und Lumiracoxib. Diese Schmerzmittel bringen eine bis zu vierfach erhöhte Herz-/Kreislauf-sterblichkeit mit sich. Die Spitze der Tabelle wird von Diclofenac angeführt. Das günstigste Risikoprofil weist der Wirkstoff Naproxen auf. Jedoch sind hier wiederum die Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt erheblich.

Alle Schmerzmittel betroffen
Generell wird festgestellt, dass sowohl herkömmliche als auch neuere Schmerzmittel das Risiko an Herz-/Kreislaufproblemen zu sterben drastisch erhöhen. Nicht angenommen werden dürfe, dass nicht untersuchte andere Schmerzmittel nebenwirkungsfrei seien, so die Wissenschaftler. Gerade bei Schmerzen am gesamten Bewegungsapparat wird vor der Einnahme von Schmerzmitteln jeglicher Art streng gewarnt.

Auch Paracetamol, Novalgin und Opioide haben ihre Nebenwirkungen. Paracetamol kann auf Dauer zu schweren Leberschäden und im Einzelfall sogar zu Leberversagen führen. Und Novalgin kann zur Schädigung des Knochenmarks, zu allergischen Reaktionen und in seltenen Fällen sogar zum Tod führen, so Professor Sebastian Harder, Uni-Klinik Frankfurt/M.

Gerade ältere Patienten gefährdet
Gefahr sieht der Schmerzmittelexperte Professor Kay Brune (Uni-Erlangen) auch für ältere Patienten, die diese Mittel gerne verschrieben bekommen. Denn gerade dieser Personenkreis ist häufig schon mit Herz-Kreislaufproblemen vorbelastet. In der Praxis würden ihm viele Patienten entgegnen, dass ihnen ein „mehr“ an Risiken egal sei, da sie mit den Schmerzen so nicht mehr weiter leben könnten. Doch nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall dächten dann halt doch viele anders.

Alternativen
Vor diesem Hintergrund stellt sich die grundlegende Frage: Gibt es überhaupt Alternativen? Die Antwort lautet klar: „Ja“! Und wieder liegt diese im Bereich der Naturheilmedizin. Viele „alte“ und traditionelle Heilpflanzen werden gerade wieder neu entdeckt, zur inneren und äußeren Anwendung.

Hier einige Beispiele:


Stürze, Prellungen, Blutungen

Dabei eignet sich z. B. Arnika montana. Oder Beinwell (Symphytum officinale), das sehr gut bei Knochenverletzungen und Beingeschwüren hilft.

Gallenkoliken

Bei Druck in der Lebergegend oder bei Gallenkoliken können feucht-warme Heublumensäcke die Schmerzen lindern. Belladonna wirkt bei Koliken und klopfenden Kopfschmerzen.

Rheumatische Gelenkserkrankungen

Bei entzündlich-rheumatischen Gelenkserkrankungen wird verstärkt Weihrauch (Boswellia serrata) und Rhus toxicodendron als natürliches Antirheumatikum eingesetzt.

Gicht
Bei akuten Gichtschmerzen steht erfolgreich Colchicum (Herbstzeitlose) zur Verfügung. Bis vor etwa 30 Jahren war hier Colchicin das Mittel der Wahl, mit dem die Schmerzen innerhalb weniger Stunden auf ein erträgliches Niveau gesenkt werden konnten. Am selben Tag noch wurde sogar Schmerzfreiheit erreicht. Doch es gab auch Nachteile. Als Zellgift konnte und kann Colchicin nicht bei Kinderwunsch oder gar während der Schwangerschaft eingesetzt werden. Außerdem beklagten Patienten Übelkeit und Erbrechen als Nebenwirkungen. Da war die Freude groß, als vor etwa 30 Jahren die ersten NSAR mit dem Versprechen eingeführt wurden, dass die Schmerzbefreiung jetzt ohne die gefürchteten Nebenwirkungen
möglich ist. Präparate wie Diclofenac wurden millionenfach verordnet und Colchicin war auf dem Rückzug. Doch heute ist belegt, die Freude war und ist unberechtigt.
Mit Colchicin wird, im Gegensatz zu den NSAR, die Ursache des akuten Gichtanfalles behandelt und die Nebenwirkungen erscheinen heute im Vergleich zu NSAR und Cox-2-Hemmern geradezu moderat. Neue Studien zeigen darüber hinaus, dass Colchicin heute ohne Wirkungsverlust niedriger dosiert werden kann und dadurch zusätzlich weit besser verträglich ist. Der Inhaltsstoff Colchicin verhindert, bei einem akuten Gichtanfall, nämlich punktgenau und zuverlässig das Auslösen der ablaufenden Reaktionskette, innerhalb von Stunden.

Gürtelrose
Sehr gut sprechen bei Gürtelrose (Herpes zoster) hochdosierte Enzym- und Vitamin-B-Gaben an. Aber auch bestimmte Atemtechniken, Entspannungsübungen und Hypnose können gerade bei chronischen Schmerzen helfen.

Bewegungsapparat

Arthrosen, Karpaltunnel-Syndrome, Nacken-, Knie- und Schulterschmerzen kommen meist aufgrund arger Muskel-Verspannungen zustande. Spezielle manuelle Behandlungsmetho-den, die meist relativ schnell Beschwerdefreiheit bringen, müssen stärker genutzt werden. Auch wenn diese Leistungen von den gesetzlichen Kassen nicht immer übernommen werden.

Der Patient entscheidet mit
Generell gesagt: Der Menschheit stehen bei Schmerzen viele Möglichkeiten, ohne drastische Nebenwirkungen zur Verfügung. In einzelnen Fällen kommt man natürlich an Ibuprofen, Diclofenac & Co nicht vorbei. Doch man wird wieder lernen müssen verantwortlich, kompetent und keinesfalls leichtfertig zu verordnen. Wie immer wird der Umbruch länger dauern. Doch der Patient entscheidet ja mit.

Bleiben Sie gesund
Ihr
Horst Boss, Heilpraktiker – Praxis für Naturheilverfahren
boss health-column

Literaturnachweis:
Cardiovascular safety of non-steroidal anti-inflamma-tory drugs: a network meta-analysis. Sven Trelle et al; British Medical Journal online doi: 10.1136/bmj.c7086

Link Schweizerischer Nationalfonds: SNF und Wikipedia über SNF

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4 Kommentare für diesen Artikel

  1. Barbara Zuza Gorski schreibt:

    Danke für diese lehrreiche Information.
    Was ist, wenn die Schmerzen chronisch werden? Wie generalisierte Muskelschmerzen bei Einnahme von Statinen. Ich nehme schon lange keine Schmerzmittel mehr eine. Ich leide auch an einer Niereninsuffizienz (Glomerulonephritis, da sind Schmerzmittel tabu.Ich habe ganz starke Rückenschmerzen bei körperlichen Antrengungen wie Gartenarbeit, längeres Stehen, längeres Sitzen, Bücken. Habe einen Stützgürtel, den ich zur Unterstützung meiner verkrümmten Wirbelsäule trage.
    Ich habe sehr interessiert diesen Artikel über Schmerzen gelesen.
    Welches alternative schmerzlindernde Mittel kann ich gegen meine Muskelschmerzen einnehmen?
    Ich finde es sehr gut, das dieses Forum den Heilpratikern die Chance gibt, die Patienten eine Aufklärung über die schädliche Einnahme von chemischen Schmerzmitteln durchführt. Danke an das Team und danke an Herrn Boss.

    mit ganz herzlichen Grüssen…..von Zuza

  2. Horst Boss schreibt:

    Liebe Frau Gorski,
    gerne nehme ich zu Ihren Fragen Stellung. Es ist klar, dass Sie mit einer Niereninsuffizienz bei Schmerzmitteln übervorsichtig sein müssen. Leider kann ich auf Grund Ihrer Aussage Ihre Wirbelsäule trotzdem nicht gut einschätzen. Zudem kenne ich Ihr Alter nicht. Aber, wenn ich das alles so höre, dann leuchten bei mir alle Lampen sofort rot auf. Die Verkrümmung der Wirbelsäule ist die eine Seite. Aber wie sieht es mit einer evtl. Ostoporose bei Ihnen aus? Ist da mal so richtig, mit einer DXA-Knochendichtemessung, hingeschaut worden? Wenn nicht, dann bitte sofort nachholen! Lesen Sie dazu bitte auch meinen letzten Bericht über Osteoporose. Die schlimmen Muskelschmerzen kommen ziemlich sicher auch von einer Muskelverspannung. Zudem tragen Sie einen Stützgürtel. In der jetztigen fortgeschrittenen Situation werden Sie wohl ohne diesen oft nicht auskommen. Jedoch ist ein solcher meist kontraindiziert, bzw. sollte nicht immer getragen werden. Warum? Weil die Muskeln ja dann immer noch mehr erschlaffen und u. a. durch einseitige Überdehnung dann noch mehr schmerzen. Eigentlich brauchen Sie jetzt eine/n hervorragende/n Therapeuten/in, der/die Sie nicht nur zaghaft streichelt, sondern gelernt hat Ihnen Ihre Verspannungen manuell und relativ schnell einzudämmen. Zusätzlich muss diese Person in der Lage sein Ihnen ganz spezielle Übungen beizubringen, die Sie dann zu Hause zwei Mal täglich selbst durchführen können. Sie brauchen jamanden, mit dem sie zusammen über den Tellerrand hinaus schauen können. Dann sieht vieles oft schnell wieder ganz anders aus. Sowieso im Bereich Bewegungsapparat (Muskeln/Sehnen/Knochen). Leider übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten dafür nicht. Übrigens: Auch an die Unterversorgung mit den richtigen Vitalstoffen muss man bei Ihnen denken. Zu Ihrem Cholesterin-Problem: Es gibt ein natürliches, nebenwirkungs-freies Mittel, an Stelle Ihrer Statine. Ich habe in meiner Praxis noch nicht erlebt, dass dieses Mittel versagt hätte. Leider kann ich an dieser Stelle dieses Mittel nicht nennen. Abschließend soviel: Ich bin überzeugt, dass ich Ihnen mit der Nennung eines anderen Schmerzmittels keinen guten Dienst erweisen würde. Aber ich gebe Ihnen einen Tipp: Schreiben Sie doch einfach eine eMail an “imedo” direkt. Mit Ihrer vollständigen Adresse und Telefonnummer. Diese wird dann an mich weitergeleitet. Vielleicht weiß ich ja einen Therapeuten in Ihrer Nähe und kann Ihnen noch den einen oder anderen Tipp geben. Alles Gute. Bis dahin.
    Ihr
    Horst Boss

  3. Ulrike Haferstroh schreibt:

    Liebe Frau Gorski,

    die Redaktion der Gesundheitsnews erreichen Sie am besten unter folgender E-Mailadresse: presse@imedo.de

    Viele Grüße
    Ulrike Haferstroh

  4. Leon schreibt:

    Nette Seite, sehr informativ und schoen gemacht.

1 Trackbacks für diesen Artikel

  1. Schmerzmittel erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt | Magnetenergie schreibt:

    [...] Schmerzmittel erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt Posted on November 24, 2011 by admin Schmerzmittel erhöhen das Risiko für Schlaganfall und Herzinfarkt Sehr gut sprechen bei Gürtelrose (Herpes zoster) hochdosierte Enzym- und Vitamin-B-Gaben an. Aber auch bestimmte Atemtechniken, Entspannungsübungen und Hypnose können gerade bei chronischen Schmerzen helfen. Arthrosen, Karpaltunnel-Syndrome, Nacken-, … Read more on imedo Gesundheitsnews [...]

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