15 Prozent aller an Depressionen leidenden Menschen nehmen sich das Leben. 40 Prozent von ihnen sind über 60 Jahre alt. Das Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de berichtet von der Gefahr, die bei älteren Menschen darin besteht, dass die Depression sehr spät erkannt wird.
Depressionen betreffen jede Altersstufe. Doch gerade bei älteren Menschen werden sie oft nicht richtig erkannt. Die Gründe dafür sind vielfältig: In höherem Alter leidet eine Vielzahl der Menschen an zahlreichen körperlichen Beschwerden. Die physischen Kernsymptome einer Depression werden daher oft als eigenständige Erkrankung gesehen und falsch behandelt, da die eigentliche Ursache – die psychischen Probleme – meist unerkannt bleiben.
Die Symptome von Depressionen sind vielfältig
Antriebs- sowie Appetitlosigkeit und die Unfähigkeit Freude zu empfinden, sind nur die Kernsymptome einer depressiven Erkrankung. Oft äußern sich die psychischen Belastungen auch in Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie Hoffnungslosigkeit. Häufig werden Erkrankte auch von Suizidgedanken geplagt. Hält dieser Zustand nur wenige Tage an, spricht man im Allgemeinen von einer depressiven Verstimmung. Ab einer Dauer von rund 14 Tagen handelt es sich jedoch um eine richtige Erkrankung, die unbedingt fachärztlich behandelt werden sollte. Doch genau hier liegt oftmals das Problem: Die Krankheitssymptome werden von Angehörigen oder Pflegepersonal oft fälschlicherweise als typische Alterserscheinungen abgetan.
Als Hilfe für die Selbsteinschätzung oder zur Beurteilung von Angehörigen gibt es im Internet zahlreiche Tests. Deuten diese auf eine depressive Erkrankung hin, sollte auf jeden Fall der Hausarzt konsultiert werden. Dieser überweist den Betroffenen, falls nötig, zum entsprechenden Spezialisten.
Die Hemmschwelle bei Depressionen eine Psychotherapie zu machen, ist groß
Doch auch hier liegt ein weiteres Problem. Psychologen werden auch heute noch oft als „Irrenärzte“ angesehen, zu denen niemand freiwillig gehen will. An dieser Stelle ist die Unterstützung von Freunden und Angehörigen gefragt. Sie sollten den Betroffenen ermutigen und bei Bedarf zum ersten Termin beim Psychologen begleiten.
Oft ist eine psychotherapeutische Behandlung bereits ausreichend. In akuten Fällen werden zusätzlich Medikamente – sogenannte Antidepressiva – verabreicht. Dieser Schritt sollte jedoch gut überlegt und eventuell eine zweite Meinung eingeholt werden. Insbesondere bei älteren Menschen, die meistens schon wegen anderer Erkrankungen behandelt werden, bedarf es einer genauen Abstimmung der Therapien. Dennoch ist eine Depression auch in hohem Alter gut behandelbar – sofern sie als solche erkannt wird. Daher sollten Angehörige und Pflegepersonal in Zukunft besser informiert und geschult werden. Denn eine unbehandelte Depression verschlimmert sich kontinuierlich und das Suizidrisiko steigt.
Mit den imedo-Gesundheitsnews finden Depressive Hilfe im Internet.
In der Gruppe zum Thema Depressionen der Gesundheitscommunity können sich Menschen direkt mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen austauschen und von deren Erfahrungen profitieren.
Bildquelle: Bernd Boscolo, pixelio.de












11. April 2008 um 11:32 Uhr
Sehr interessanter Artikel, der auf einen Mißstand unserer Gesellschaft hinweist. Jedoch wurde für mein Verständnis zu wenig auf die psychologischen Gründe eingegangen: Ein Mensch, der über 60 Jahre Lebenszeit hinter sich hat, wird im Laufe dieser Zeit viele wichtige Menschen verloren haben. Einsamkeit (also die gefühlte) führt zu Depressionen.
Ich denke, daß körperliche Beschwerden erst dann zu Depressionen führen, die dann Grundelage eines Suizids werden, wenn der Betroffene keinen Ausweg sieht.
Der Mißstand ist hierbei der fehlende Wille zur generationsübergreifenden Kommunikation. Junge Menschen, wie ich es im Alltag immer wieder erlebe, sehen “alte Menschen” nicht als Teil ihrer Gesellschaft an und blenden sie daher vollkommen aus. Vielleicht steht man höflicherweise im Bus oder in der Tram auf, um einen Senioren hinsitzen zu lassen, aber Kommunikation, das richtige Gespräch, bleibt aus.
Die Folge ist, daß ältere Menschen sich überflüssig und vielleicht sogar ungewollt vorkommen. Das ist meine größte Angst vor dem Alter.
Ich möchte an dieser Stelle auch zu etwas mehr Interaktion zwischen den Generationen aufrufen. Generationshäuser, in denen (nicht alte, sondern) erfahrene Menschen jungen Leuten etwas beibringen – und umgekehrt! – sind ein erster, guter Schritt.