Hautkrebs: Risikofaktoren, Arten und Prävention

15. April 2009

Die Zahl der Hautkrebserkrankungen in Deutschland steigt stetig an. Es gibt aber zahlreiche Hinweise, die eine Hautkrebserkrankung vermuten lassen. Das Internet-Gesundheitsportal www.imedo.de erklärt mit Hilfe des Experten Dr. Thomas Höhn, welche Arten des Hautkrebses auftreten können, wie man diese erkennt und behandelt.

Jedes Jahr erkranken etwa 140.000 Menschen in Deutschland an Hautkrebs. 22.000 dieser Hautkrebspatienten bekommen den sogenannten „Schwarzen Hautkrebs“, das Melanom. Es zeichnet sich durch stark pigmentierte Flecken aus, die vorwiegend an belichteten Körperzonen, wie Gesicht, Décolletée und Händen, aber auch an anderen Stellen, zum Beispiel unter einem Nagel, vorkommen. Das Melanom ist lebensgefährlich, weil es Metastasen bildet und schwer behandelbar ist. Andere Formen des Hautkrebses werden „Weißer Hautkrebs“ genannt. Diese Formen sind die sogenannten epithelialen Hautkrebse. Jährlich treten etwa 118.000 Fälle des Weißen Hautkrebses neu auf

Die weißen Hautkrebse haben eines gemeinsam: Sie sind nicht primär invasiv, bilden also in den seltensten Fällen Metastasen und können rechtzeitig erkannt und dadurch gut und sicher behandelt werden.

Verschiedene Arten des Hautkrebses

Eine Form des Hautkrebses ist das Spinaliom oder spinozelluläres Karzinom, auch Stachelzell-Karzinom oder verhornendes Plattenepithel-Karzinom genannt. Besonders der Hauttyp I und II (heller Hauttyp) wird von dieser Form des Hautkrebses häufiger befallen, wenn die Haut jahrelang der Sonne ausgesetzt wurde. Zu lange „High Tech“-Bestrahlung in Sonnenstudios hat dieselben Auswirkungen. Aber auch die chronische Belastung der Haut durch Narben, Verbrennungs- oder Geschwürs-Folgen, nicht heilende Warzen (durch Papillomviren) oder Herpes-Erkrankungen können Auslöser für das Spinaliom sein. Das Spinaliom kommt vor allem bei dauerhaft lichtbestrahlter Haut vor. Dazu gehören Gesicht, Nase, Unterlippe, Ohrmuschel, Handrücken und Unterschenkel.

Das Spinaliom neigt zu Blutungen, Verkrustungen und Geschwürsbildung und bildet derbe Knoten. Es unterminiert die Haut und kann Metastasen in regionalen Lymphknoten und Organen bilden. Es kann chirurgisch mit einem Einschnitt weit in die umgebende gesunde Haut entfernt werden.

Eine weitere Form des Hautkrebses ist das Keratokanthom, eine rasch wachsende Form, auch selbst heilendes primäres Stachelzell-Karzinom genannt. Es kommt an der lichtexponierten Haut meist bei Menschen über 60 und häufiger bei Männern als bei Frauen vor. Es beginnt mit einem flachen Knötchen, bildet bei Größenzunahme oft eine Eindellung mit Hornschicht und heilt meist von selbst wieder ab. Das Keratokanthom entwickelt sich von Haarfollikeln aus. Es zeichnet sich durch eine kurze Krankheitsdauer aus.

Die Ursachen liegen neben einem höheren Lebensalter auch bei Herpes Typ 25, Warzenviren, Rauchen, Kontakt mit Teer oder Kohle, hormonellen Störungen, Unterdrückung des Immunsystems bei bestimmten Erkrankungen, Schuppenflechte, Narben, Impfstellen und Talgdrüsenverschluss des Haarbalges.

Das Keratokanthom kann chirurgisch oder durch Röntgenweichstrahlen sowie Cortisonpräparate entfernt werden.

Ebenfalls eine Art des Hautkrebses ist das Basaliom, auch Basalzellkrebs genannt. Waren früher überwiegend ältere Menschen betroffen, die sich ständig in der Sonne aufhielten, tritt dieser Hautkrebs heute immer häufiger berufsunabhängig auch in jüngeren Jahren auf. Das Basaliom ist der häufigste Hautkrebs ohne Metastasenbildung. Er tritt fast ausschließlich lokal auf, kann aber tief einwachsen und das darunter liegende Gewebe zerstören. Das Erscheinungsbild ist sehr vielfältig.

Gefördert wird das Basaliom durch Hauttyp I und II und Sonnenbestrahlung (UV-B) beim Sport, Arbeiten im Freien über Jahre, Arsenbelastung und genetische Veranlagung. Es ist schmerzlos, leicht blutend, Krusten und oft wachsartige „Basaliom-Perlen“ bildend und führt zu örtlicher Blutgefäßerweiterung. Besonders das Gesicht, Hals, Rücken und Décolletée sowie auch dünn behaarte und kahle Stellen auf dem Kopf sind gefährdet. Das Basaliom kann chirurgisch oder durch Laserbehandlung sowie durch Röntgenweichstrahltherapie behandelt werden. Die Sterblichkeit beträgt etwa ein Prozent.

Desweiteren gibt es die Aktinische Keratose. Dieser Hautkrebs ist meist hell und schuppig und prinzipiell nicht bösartig. Er kann aber zu einem Spinaliom entarten. Die Behandlung epithelialer Hautkrebsarten erfolgt immer öfter mittels Photodynamischer Therapie: Sie ist etwa 100 Jahre alt, heute aber entscheidend weiterentwickelt. Mit sichtbarem Licht hoher Wellenlänge, Sauerstoff und einer Substanz, die die Lichtempfindlichkeit erhöht, werden die Hautkrebszellen zerstört.

Risiken und Präventionsmöglichkeiten in Sachen Hautkrebs

Das Hautkrebsrisiko kann durch wenige präventive Maßnahmen verringert werden. Es ist immer wichtig, dass die Haut vor der Sonne geschützt oder ein hohen Lichtschutzfaktor verwendet wird. Außerdem sollte der Körper nicht mit schädigenden Substanzen, wie Teer oder Alkohol, belastet werden. Die Hautpflege spielt in der Hautkrebs-Prävention ebenfalls eine wichtige Rolle: Die Haut darf nicht austrocknen.

Sonnenbrände in den ersten fünf Lebensjahren haben die häufigsten und gefährlichsten Spätwirkungen im Erwachsenenalter: zum Beispiel schwarzen Hautkrebs (Melanom). Bis zum 18. Lebensjahr benötigt die Haut besonderen Schutz, denn bis dahin bekommen Kinder und Jugendliche die Hälfte der Strahlendosis ab, die sie in ihrem gesamten Leben erhalten werden.

Seit dem 1. Juli 2008 ist eine professionelle Hautuntersuchung durch speziell geschulte Dermatologen und Hausärzte möglich. Jede Krankenkasse ermöglicht ab 35 Jahren Frauen und Männern eine Hautkrebsuntersuchung alle zwei Jahre zur Früherkennung von bösartigen Hautveränderungen.

Vier Hauttypen

Experten unterscheiden zwischen vier Hauttypen:
Typ I: keltischer Typ – extrem sonnenempfindlich, oft Sommersprossen, rote Haare, kaum Hautbräunung möglich; Eigenschutzzeit der Haut, während der ungeschützt kein Sonnenbrand entsteht: 5 bis 10 Minuten.

Typ II: germanischer Typ – helle und empfindliche Haut, häufig Sonnenbrand, die Menschen werden nur leicht braun; Eigenschutzzeit: 10 bis 20 Minuten.

Typ III: dunkelhäutiger Europäer – wenig empfindliche Haut, höchstens schwacher Sonnenbrand möglich; Eigenschutzzeit: bis 40 Minuten.

Typ IV: mediterraner Typ – Haut von vornherein olivenfarben, bräunt schnell; Eigenschutzzeit: über 40 Minuten

Kleines Bestimmungs-ABC für das Melanom:
A – Asymmetrie: ein Muttermal erhält eine unregelmäßige Form;
B – Begrenzung: das Mal erhält einen unregelmäßigen Rand;
C – Colour: das Mal ist unterschiedlich gefärbt und enthält eventuell eine tief dunkle Stelle und helle Zonen; D – Durchmesser: von mehr als 5 Millimeter sollte immer Anlass für eine Begutachtung durch einen Hautarzt sein.

Tipps zur Behandlung von Sonnenbrand: Lappen mit kaltem Wasser getränkt auf die Haut legen. Dieser kühlt und beschleunigt die Heilung – auch Arnika-Tinkturen eignen sich.

Weitere Informationen zum Hautkrebs finden Sie im imedo-Medizinlexikon.

Wie Sie den Sonnenbrand dem Hauttyp entsprechend vorbeugen, verraten die imedo-Gesundheitsnews.

Die imedo-Gesundheitsredaktion informiert zudem über die Gefahren des Sonnenstudios.

Bildquelle: Carsten Grunwald, pixelio.de

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2 Kommentare für diesen Artikel

  1. Murx schreibt:

    Auch an der Hautkrebsgeschichte stimmt irgendetwas hinten und vorne nicht …
    Gut, wir haben das Problem, daß wir unsere Ozonschicht gerade killen und dementsprechend mehr UV-Strahlung abbekommen, wie noch vor 100 Jahren. Nun ist diese Ozonschicht ausgerechnet auf der Südhalbkugel der Erde ausgedünnter wie auf der Nordhalbkugel. Insbesondere in Australien, Neuseeland, aber eben auch in Südafrika und im Süden Südamerikas nehmen deshalb Hautkrebsarten zu – soweit logisch und eingängig.

    Was jedoch weniger eingängig ist, in Deutschland nimmt Hautkrebs auch zu – parallel zu den Stubenhockern! Kurzum, wir sitzen mehr im Dunkeln, wie überall sonst in Europa, schmieren uns dicker und fetter mit Sonnenschutzcreme und Hautcremes voll, wie in Gesamteuropa und ausgerechnet in Deutschland steigt die Rate der Hautkrebserkrankungen am stärksten an bei gleichbleibender Bevölkerung?

    Da frag ich mich ernsthaft, ob nicht der Rat, seine Haut mit Hautcremes feucht zu halten, erst den Hautkrebs fördert …

  2. L. Bergmann schreibt:

    Oh, oh! Da ist die Statistik aber mit dem Doktor durchgegangen.

    1. Die Hautkrebs-Neuerkrankungen liegen selbst nach den eher großzügigen Schätzzahlen (in etlichen Ländern der Bundesrepublik wird der weisse Hautkrebs überhaupt nicht erfasst und muss hochgerechnet werden) des RKI bei 120 – 140.000. (Vermutlich hat der Autor eine Vorform des Hautkrebses mitgezählt.)

    2. Davon entfallen keineswegs drei Viertel sondern gerade mal 20 Prozent auf das maligne Melanom.

    3. Wieso wir im nächsten Jahr 160.000 Fälle (nach 250.000 in diesem Jahr) haben werden und damit eine Verdoppplung innerhalb von 10 Jahren passiert, bleibt das Geheimnis des Autors.

    4. Es ist keineswegs immer sinnvoll, die Haut vor den Sonnenstrahlen mit Hautcremes und Kleidung zu schützen. Dieser Standardspruch vieler Dermatologen hat mit dazu beigetragen, den Vitamin D-Mangel in der Bevölkerung auf den gegenwärtigen fatalen Stand zu bringen (laut offiziellen RKI-Angaben leiden knapp 60 Prozent der Bevölkerung unter einer chronischen Unterversorgung mit Vitamin D, im Winter sind es teilweise bis zu 80 Prozent). 90 Prozent der Vitamin D-Versorgung geschieht in unseren Breiten in der Vitamin D-Synthese durch UV-B-Strahlen der Sonne oder im Solarium über die Haut. Vitamin D-mangel ist verantwortlich für die z.T. Verdopplung (und mehr) von Krankheitsrisiken wie Osteoporose und Muskelschwäche, Autoimmunerkrankungen wie diabetes und MS, Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfall, Alzheimer und selbst viele Krebsarten bis hin zu psychischen Erkrankungen.
    Fast alle Gewebearten im menschlichen Körper verfügen über einen Vitamin D-Rezeptor – ein Zeichen dafür, dass die Natur das Vitamin D als wesentlichen Teil des Steuerungs- udn Regulierungsprozesses im Körper vorgesehen hat.

    Angstkampagnen durch bestimmte Dermatologen schützen nicht vor dem Hautkrebs (Menschen, die sich ständig durch Eincremen vor der Sonne schützen, bremsen zwar die Vitamin D-Synthese, nicht aber die Melanom-Bildung, wie in vielen Studien nachgewiesen wurde), erhöhen aber dramatisch das Risiko weiter Bevölkerungsteile, an weit verbreiteten “Volkskrankheiten” zu leiden. Ein paradoxes Resultat einseitiger und unausgewogener Scheuklappen-Politik aus Standesinteresse.

    5. Ähnlich weit verbreitet und ähnlich falsch ist die Aussage, dass Jugendliche bis zum 18 Lebensjahr etwa 80 Prozent der UV-Lebens-Dosis abbekommen. Das sind wiederum Schätzungen aus einer Zeit, als Jugendliche auf dem Land im Freien spielten und arbeiteten. Das hat sich drastisch geändert. Neuere Studie gehen von etwa der Hälfte dieser “Lebensdosis” aus.

    Wenn man nun noch die Studien heranzieht, die nachweisen, dass regelmäßige Besonnung tendentiell vor dem gefährlichen “schwarzen Hautkrebs” eher schützt als ihn verursacht (das hat vermutlich wieder mit der Wirkung des Vitamin D bei der Regulierung von Zellteilungen zu tun) und nur die abrupte, “intermittierende” Besonnung unvorbereiteter und/oder ungeschützter Haut vermutlich das Melanom erzeugt oder befördert, dann ergeben sich die Ratschläge für den moderaten, kontrollierten Genuß der Sonnenstrahlen quasi wie von selbst.

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